Nachtsicht-Vorsatzgeräte für die Jagd im Test

Eines vorweg: Der Verkauf und Erwerb von Nachtsichtvorsatzgeräten in ganz Deutschland ist erlaubt. Das Umgangsverbot wurde vom Gesetzgeber aufgehoben. Eine Ausnahme bilden echte Nachtzielgeräte, welche über ein eigenes Absehen verfügen und anstelle eines Zielfernrohrs auf der Waffe montiert verwendet werden können. Diese bleiben auch weiterhin für alle Jäger verboten.

Trotz alledem fällt die Verwendung von Aufsatzgeräten mit Nachtsicht noch immer unter die jagdrechtlichen Verbote. Lediglich die Bundesländer Niedersachsen, NRW, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Brandenburg und Baden-Württemberg erlauben den Einsatz, meistens beschränkt auf die Schwarzwild-Jagd. In Bayern gibt es diesbezüglich zeitlich begrenzte Sonderregelungen.

Besonders zu Zeiten der Afrikanischen Schweinepest und einer starken Zunahme der Schwarzwildpopulation ist die Verwendung und die Nachfrage von Nachtsicht Vorsatzgeräten stark gestiegen. Es gibt viele Modelle auf dem Markt und da stellt sich automatisch die Frage: Welches Gerät ist empfehlenswert? Wir haben für euch einige Produkte herausgesucht und diverse Test-Berichte und Rezensionen dazu ausgewertet.

 

1. Der günstige Allrounder: Diycon DNVC-3 Black Mamba

Mit einem Gewicht von etwa 480 g und den kompakten Maßen von 143 x 55 x 90 mm ist das Dual-Use-Gerät einfach in der Anwendung. Die Fotoauflösung beträgt 2680 x 1944 px, zusätzlich ist das Nachtsichtgerät mit einem 6-fach Digitalzoom ausgestattet.

PRO’S

✅ Anschlussgewinde für gängige M52x0,75 Klemmadapter vorhanden

✅ CMOS-Sensor mit Full-HD-Auflösung

✅ herausnehmbarer Akku

✅ Powerbankbetrieb ist möglich

✅ Schusspräzision von unter 4 cm

CON’S 

❌ Käufer berichten, dass einige Geräte nicht schussfest waren

Besonderheiten

Das Diycon DNVC-3 bietet einige Vorteile, welche die Jagd und das Ansprechen von Wild erleichtern. Mit einer Vergrößerung zwischen 1,6 und 6x und einer Auflösung von 2680 x 1944 px ist es möglich, das Wild bis zu einer Entfernung von 350 m anzusprechen. In der Praxis spielen hier allerdings noch Faktoren wie Umgebung und Wetter eine relevante Rolle und können die Sicht unter Umständen einschränken. Wer seine Beobachtungen auch später noch auswerten will, kann die Bild- und Videoaufnahmen mittels Wi-Fi oder HDMI-Anschluss auf seinen PC herunterladen.

Der Akku mit einer Betriebsdauer von bis zu 10 Stunden ist auswechselbar. Bei Bedarf lässt sich das Gerät auch mittels Powerbank einfach weiterbetreiben. Das tag- und nachttaugliche Modell verfügt über die Möglichkeit, interne Einstellungen für die Schusspräzision direkt innerhalb des Menüs vorzunehmen. Das macht einen Kollimator zum Einschießen überflüssig.

Fazit

Das Diycon DNVC-3 Black Mamba ist ein handliches Gerät, welches sich mit wenigen Handgriffen am Zielfernrohr montieren lässt. Es bringt alle technischen Features mit, welches man von einem digitalen Produkt dieser Art erwartet: Interner Speicher, Wi-Fi-Möglichkeit, CMOS-Sensor mit einer Full-HD-Auflösung, herausnehmbarer Akku. Mit einem Preis von knapp 1200 € (Stand November 2022) liegt Diycon DNVC-3 Black Mamba in der unteren Preisklasse.

Etwas aufmerksam sollte man beim Einschießen sein, denn in vereinzelten Rezensionen ist vermerkt, dass sich hierbei interne Bauteile lösten und das Gerät zur Reparatur eingeschickt werden musste bzw. ausgewechselt wurde.

2. Der veraltete Klassiker: Dipol DN34 Ultra Nachtsichtvorsatzgerät

Das DN34 von Dipol ist keine Neuerscheinung, sondern ist bereits seit mehr als 7 Jahren auf dem deutschen Markt vertreten. Mit seiner hochauflösenden Photonis Echo Bildverstärkerröhre und der manuellen Helligkeitsregelung ist die Nachfrage nach diesem Gerät nach wie vor vorhanden. Die Leistung beträgt zwischen 58 – 74 lp/mm und S/N 24+.

PRO’S

✅ stufenlos einstellbarer Dimmer

✅ dimmbarer und fokussierbarer 100 mW Infrarotlaser mit 850 nm

✅ wiederholgenaue Montage durch die Adapterringe mit der Größe 41 / 50 / 56 mm

CON’S 

❌ Bildqualität mittlerweile veraltet

Besonderheiten

Nachtsichtgeräte mit Bildverstärkerröhren haben nach wie vor nichts von ihrer Attraktivität verloren, wie das DN 34 Ultra beweist. Dipol selbst gibt an, dass dieses Produkt im Vergleich zu herkömmlichen Bildröhren einen breiteren Spektralbereich abdeckt und damit das natürliche Restlicht besser ausnutzt. Blendeffekt und Verzerrung gehören laut Angaben des Herstellers mit diesem Modell der Vergangenheit an. Die Schärfe selbst lässt sich bei dieser GEN2+ Röhre problemlos mittels einer Linse am Gerät stufenlos regulieren.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem robusten Geräte ohne viel technischen Schnickschnack ist, sollte ein Auge auf das DN 34 Ultra werfen. Das Modell kann durch seine unkomplizierte Handhabung punkten, allerdings gibt es mittlerweile Nachtsicht Vorsatzgeräte mit einer wesentlich besseren Bildqualität zu annehmbaren Preisen.

3. Das Präzise: Night Pearl Nachtsichtgerät NP-22 Gen2+ Premium Green

Mit seinen etwa 670 g ist das 140 x 86 x 77 mm große Gerät kein Leichtgewicht. Dafür kann es aber laut Hersteller durch Präzision und Komfort punkten.

PRO’S

✅ lange Akkulaufzeit von bis zu 60 h

✅ Temperaturbereich von –40 °C bis +50 °C

✅ der Nahfokus beginnt schon bei 10 m

CON’S 

❌ relativ schweres Gewicht

Besonderheiten

Das Nachtsichtvorsatzgerät verfügt über einen Restlichtverstärker der Firma Katod Gen2+, wobei die Empfindlichkeit der Photokathoden bei 550-750 µA/lm liegt. Der Hersteller garantiert eine maximale Treffpunktabweichung von 1/2 MOA, was etwa 1,27 cm auf 100 m entspricht. Dies ist auf die präzise Kalibrierung der Restlichtverstärkerröhre bzw. der optischen Achse zurückzuführen, welche selbst nach Jahren nichts von ihrer Zuverlässigkeit verlieren soll. Auch die Lebenszeit des spritzwassergeschützten Geräts kann sich mit 60 Betriebsstunden sehen lassen. Weitere erwähnenswerte Daten: 70 mm Objektivdurchmesser; Linsensystem F 1:1,44, der Nahfokus beträgt 10 m.

Fazit

Trotz der kontinuierlichen Fortschritte in der Digitaltechnik haben Röhrengeräte nichts von ihrer Funktionalität und Beliebtheit verloren. Preislich spielt Night Pearl Nachtsichtgerät NP-22 Gen2+ Premium Green in der oberen Liga. Dafür aber ist es ein robustes Gerät, worauf sich viele Jäger zum sicheren Ansprechen von Wild verlassen.

Zusammenfassung

Diycon DNVC-3 Black Mamba, Dipol DN34 Ultra oder Night Pearl NP-22 Gen2+? Was soll es sein? Jedes Gerät hat seine Vor- und Nachteile. Die hier aufgeführten Details und Tipps bieten nur grobe Anhaltspunkte. Der Markt der Nachtsicht- und Wärmebildtechnik ist groß und Ihr solltet das für Euch passende Modell auswählen. So ist das Dipol DN34 Ultra mit seiner Bildqualität zwar veraltet, aber vielleicht genau das Richtige für Euch, wenn Ihr auf der Suche nach einer zuverlässigen und bewährten Technik seid.

Sicher auch interessant für dich: unser Artikel “Die besten Nachtsichtgeräte für die Jagd”.

Weitere häufig gestellte Fragen zum Thema

Eine pauschale Aussage lässt sich dabei nicht treffen. Es ist abhängig davon, in welcher Gegend Ihr die Jagd ausübt (Wald oder Feld) und welche Ansprüche Ihr in puncto Ausstattung und technische Besonderheiten habt. Wenn Ihr öfter einen längeren nächtlichen Ansitz plant, ist es beispielsweise sinnvoll, wenn Ihr auf ein Gerät mit auswechselbarem Akku zurückgreift bzw. der Möglichkeit, die Nachtsichttechnik mittels Powerbank zu betreiben.

 

IR-Aufheller, welche ein Ziel anleuchten, sind in Deutschland noch immer verboten. Selbst dann, wenn es sich um einen in einem Gerät integrierten Infrarotstrahler handelt, der sich deaktivieren lässt. Eine Gesetzesänderung des Bundesjagdgesetzes zur Änderung diesbezüglich scheiterte 2020/2021, sodass auch bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest keine IR-Strahler verwendet werden dürfen.

 

Nachtsichtvorsatz- und Nachtsichtaufsatzgeräte unterliegen nicht mehr dem waffenrechtlichen Verbot und dürfen von jedem Jäger erworben werden. Allerdings verbietet das Nachtjagdverbot im Bundesjagdgesetz den jagdrechtlichen Einsatz. In einzelnen Bundesländern, wie etwa NRW und Thüringen, greift in diesem Fall das Landesjagdrecht und erlaubt den Einsatz von Nachtsichttechnik.

Die gesetzliche Lage ist allgemein betrachtet noch immer ziemlich undurchsichtig und es ist sinnvoll, dass Ihr Euch bei Bedarf selbst bei der für Euch zuständigen Jagdbehörde über die für Euch geltenden Auflagen erkundigt. In Bayern beispielsweise kann es regionale Ausnahmegenehmigungen für die Verwendung von Nachtzieltechnik geben. In einigen Fällen darf die Waffe aber erst im jeweiligen Revier mit dem Nachtsicht-Vorsatzgerät kombiniert werden. Der Transport muss getrennt voneinander erfolgen.

 

Nachtsichtgeräte sind sogenannte Restlichtverstärker. Mittels Röhren- oder Digitaltechnik wird das natürlich vorhandene Restlicht verstärkt und die Umgebung für das menschliche Auge wahrnehmbarer gemacht. Die Sicht ist abhängig vom Wetter und von der Umgebung. In einem Waldrevier fällt das Ansprechen von Wild bei einem bewölkten Himmel deutlich schwerer aus als in einem Feldrevier, wo Mond- und Sternenlicht noch vorhanden ist.

Wärmebildtechnik reagiert auf Wärmequellen und stellt sie dementsprechend optisch dar. Diese Geräte können auch tagsüber eingesetzt werden. Unabhängig, ob Ihr Euch für ein Wärmebild- oder Nachtsichtgerät entscheidet: Macht Eure Kaufentscheidung nicht nur von Eurem Geldbeutel abhängig. Sondern auch davon, wie leistungsfähig das jeweilige Produkt sein soll. Wärmebildkameras sind zum Beispiel schon ab 400 € erhältlich, allerdings ist das sichere Ansprechen von Wild auf eine weitere Entfernung dementsprechend schwer und unsicher.

 

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