Jagen in Polen

Das im Osten gelegene Nachbarland ist so nah und doch so fremd … Wilde Wälder, eine ursprüngliche Natur und majestätisch anmutende Nationalparks prägen das Aussehen Polens. Die polnische Gastfreundschaft, das kulturelle Erbe des Landes, sowie zahlreiche Badestrände ziehen jährlich Tausende von deutschen Touristen an. Auch flächenmäßig hat der osteuropäische Staat einiges zu bieten: Mit etwa 312 000 Quadratkilometern ist Polen nur ungefähr um 15 % kleiner als die Bundesrepublik. Viel Platz für die Natur, denn neben zahlreichen Seen ist das Land durchzogen von Sumpfgebieten und großen, urwaldähnlichen Wäldern. Die Besiedlung in der ländlichen Region ist eher dünn, sodass Flora und Fauna sich fast ungehindert entfalten können.

Die Jagd in Polen kann auf eine lange, traditionelle Geschichte zurückblicken. Bereits Wilhelm II, der letzte deutsche Kaiser, wusste die wildreichen Reviere und die abwechslungsreiche Landschaft Polens zu schätzen. Vor ungefähr 30 Jahren wurde diese Tradition wiederbelebt. Neben dem starken und artenreichen Wildvorkommen sowie der Nähe zu Deutschland sind auch die günstigen Preise für ausländische Jäger verlockend. Die Einnahmen des Jagdtourismus zählen zu einer der wichtigsten Einnahmequellen der polnischen Jagdgesellschaft. Das Geld kommt der Hege und Pflege von Natur und Wild zugute. 

Jagdbare Wildarten

Die Nähe zu Russland und die teilweise urtümlichen und wenig erschlossenen Gebiete sind ein Garant für ein starkes Wildvorkommen. Alle europäischen Tierarten sind hier vertreten, auch wenn der Schwerpunkt auf der Bejagung von Rotwild, Rehen, Wildschweinen und Federwild liegt. 

Polen ist eines der rotwildreichsten Gebiete der Erde. Das gesamte Land ist durchzogen von jahrhundertealten Wechseln der Tiere, in den naturnahen Wäldern finden sie ausreichend Deckung und Äsung. Es gibt hier kaum ein Revier, wo diese Wildart nicht anzutreffen ist. Trotz intensiver Bejagung ist der Bestand stabil und selbst das Erlegen kapitaler Trophäenträger ist keine Seltenheit.

Bedingt durch die Landwirtschaft verzeichnet das Land auch eine hohe Population an Schwarzwild. Die intelligenten Tiere sind in den Sommermonaten fast überwiegend in den Mais-, Raps- und Getreidefeldern anzutreffen, wo sie teilweise massive Schäden anrichten. 

Folgende Wildarten werden ebenfalls regelmäßig von polnischen und ausländischen Waidleuten bejagt:

  • Damwild
  • Mufflons
  • Rehwild
  • Wisente
  • Elch
  • Enten
  • Graugans
  • Fasan
  • Feldhasen
  • Rebhuhn
  • Waldschnepfe
  • Kaninchen
  • Marderhund
  • Wolf (nur in bestimmten Regionen, sonst ganzjährig geschont)

In den vergangenen Jahrzehnten ging die Strecke an erlegten Hasen zurück, der Besatz sank kontinuierlich und hat sich noch immer nicht erholt. Zurückzuführen ist dies auf eine hohe Sterblichkeitsrate von Junghasen, Krankheiten sowie eine zu starke Entnahme durch den Jäger. Ob die Niederwildjagd in Polen von Erfolg gekrönt ist, hängt vom jeweiligen Revier ab. 

jagen in polen bild 1

Jagdarten und -zeiten in Polen

Offizieller Jagdbeginn ist in Polen, ähnlich wie bei uns in Deutschland, ab dem 1. April. Die besten Chancen auf Rehböcke hat man ungefähr ab Mitte Mai. Mit Beginn der Hirschbrunft startet die Bejagung des Hochwilds. Ab September ist Aufgang der Gänsejagd und bis in den Februar hinein ist eine gute Zeit, um Fasane zu bejagen. 

Gejagt wird vom Ansitz aus, aber auch Drück- und Pirschjagden sind keine Seltenheit. Bei letzteren lohnt es sich, gut zu Fuß zu sein. Denn die raue polnische Landschaft verlangt einem alles ab. Gutes Schuhwerk und robuste Kleidung sind empfehlenswert.

Hinweis: In Polen ist die Jagd in Gattern oder auf separat gezüchtete Trophäenträger per Gesetz verboten. Lediglich Fasane werden von den Jagdgesellschaften in unregelmäßigen Abständen ausgewildert, um den natürlichen Bestand zu stärken.

Folgende Jagdarten sind – abhängig vom Jagdanbieter und dem Wildvorkommen  – in unserem östlichen Nachbarland möglich: 

  • Büchsenjagd
  • Selektions- und Tarnjagd
  • Lockjagd
  • Riegeljagd

Bekannte Jagdgebiete

Wie bereits erwähnt, kann die Jagd auf Rot- und Schwarzwild großflächig in fast ganz Polen ausgeübt werden. In Pommern beispielsweise trifft man neben den bereits erwähnten Wildarten auch Reh- und Damwild in starker Population an. Die weitläufigen Wälder von Ostpreußen gewähren Anblick auf Wolf, Luchs und Auerhahn, auch wenn hier der Finger am Abzug gerade bleiben muss. Schlesien hingegen zeichnet sich durch hohe Gebirgszüge aus und ist jagdlicher Schwerpunkt von Rotwild und Mufflons. Jede polnische Region hat ihre eigenen Reize und Besonderheiten. 

Vorschriften und notwendige Unterlagen

Für Schalenwild existiert eine Abschussplanung, welche von den staatlichen Forstbetrieben aufgestellt wird. Konkret bedeutet das, dass es für jedes Stück Schalenwild eine Lizenz gibt, an welche sich polnische und auch ausländische Jäger halten müssen. Staatliche Jagdveranstalter bzw. auch Vermittler erwerben diese Abschuss-Lizenzen und vergeben sie an ihre Jagdgäste. Jagdliche Vergehen werden streng reglementiert und können Sanktionen, wie etwa ein Jagdverbot, nach sich ziehen.

EU-Bürger dürfen eigene Jagdwaffen ins Land einführen, allerdings muss der Jagdveranstalter diese bei den Auslandsvertretungen angeben und eine Einfuhrgenehmigung erwirken. Es ist nicht zulässig, dass ein polnischer Waidmann einem Jagdgast seine Waffe leiht. Folgende Unterlagen sind wichtig für die Jagd in Polen:

  • Jagdschein
  • Personalausweis
  • EU-Feuerwaffenpass
  • Auslands-Jagdhaftpflichtversicherung

Das Mitbringen von Jagdhunden ist nach Absprache mit dem Veranstalter erlaubt. Allerdings benötigen die Vierbeiner alle notwendigen Impfungen und sollte einen EU-Heimtierausweis besitzen. 

Waidmannsheil – oder um es in polnischer Sprache zu sagen: Darz Bor!

Noch nicht genug? Dann lese hier unsere Artikel zum Thema Jagd in Frankreich, Schottland und Kroatien.

Carmen

Carmen

Ich bin Carmen, 38 Jahre jung und bin Jägerin. Darüber hinaus schreibe ich Artikel für Webseiten und beschäftige mich auch intensiv mit dem Thema Falknerei.